Investieren für Anfänger 2026: Schritt für Schritt zum ersten Depot
Wie Sie 2026 als Anfänger richtig investieren: erst Notgroschen, dann Depot und ETF-Sparplan. Mit Rechenbeispiel, Kostenvergleich, typischen Fehlern und einer ehrlichen Einordnung von P2P-Krediten und Crowdinvesting.
Investieren für Anfänger heißt 2026 vor allem: erst einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto parken, dann ein günstiges Depot eröffnen und mit einem breit gestreuten ETF-Sparplan monatlich einen festen Betrag anlegen. Einzelaktien, Krypto oder P2P-Kredite kommen, wenn überhaupt, später und nur als kleine Beimischung dazu.
Das klingt unspektakulär, und genau das ist der Punkt. Wer zum ersten Mal Geld investiert, verliert selten wegen der falschen Aktie, sondern wegen fehlender Reserven, zu hoher Kosten oder Panikverkäufen im ersten Crash. Dieser Leitfaden zeigt die Reihenfolge, die sich bewährt hat, mit konkreten Zahlen (Stand: September 2026).
Warum Investieren für Anfänger 2026 wieder ein Thema ist
Die Zinsen sind zurück, aber nicht so hoch, wie viele denken. Die Europäische Zentralbank hat am 10. September 2026 ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben; der Einlagensatz liegt seit dem 16. September 2026 bei 2,50 %. Tagesgeld bringt im Durchschnitt aller Banken rund 2 % p. a., die besten Angebote liegen bei etwa 3,5 % (Stand: September 2026, laut Marktanalyse von tagesgeldvergleich.net). Gleichzeitig lag die Inflation in Deutschland im August 2026 bei 2,9 %.
Unterm Strich heißt das: Auf dem Konto verliert Ihr Geld weiterhin real an Kaufkraft, sobald Sie nicht gezielt die besten Zinsen mitnehmen. Und selbst dann bleibt nach Steuern und Inflation wenig übrig. Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, kommt an Sachwerten wie Aktien kaum vorbei. Die Frage „in was investieren?“ beantwortet sich für die meisten Einsteiger deshalb nicht mit einem Geheimtipp, sondern mit einer sauberen Grundstruktur.
Schritt 1: Notgroschen, bevor Sie Geld investieren
Bevor der erste Euro an die Börse geht, brauchen Sie eine Reserve für kaputte Waschmaschinen, Autoreparaturen oder eine Phase ohne Einkommen. Übliche Faustregel: drei bis sechs Nettomonatsgehälter, bei Selbstständigen eher mehr. Dieses Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto einer Bank mit gesetzlicher Einlagensicherung (in der EU bis 100.000 € pro Kunde und Bank).
Der Notgroschen ist kein totes Kapital. Er sorgt dafür, dass Sie Ihre Aktien nie in einem schlechten Moment verkaufen müssen, nur weil eine Rechnung kommt. Genau diese Zwangsverkäufe zerstören bei vielen Anfängern die Rendite.
Hohe Konsumschulden (Dispo, Kreditkarte, Ratenkäufe) sollten Sie vorher tilgen. Ein Dispozins im zweistelligen Bereich ist eine sichere „Rendite“, die kein Sparplan zuverlässig schlägt.
Schritt 2: Ziele und Anlagehorizont festlegen
Geld investieren für Anfänger beginnt mit einer einfachen Frage: Wann brauche ich das Geld wieder? Der Anlagehorizont entscheidet mehr über die passende Anlage als jede Renditeprognose.
- Unter 3 Jahren (Auto, Umzug, Hochzeit): Tagesgeld, Festgeld, kurz laufende Anleihen. Aktien sind hier zu riskant, weil ein Kurseinbruch nicht mehr aufgeholt werden kann.
- 3 bis 10 Jahre (Eigenkapital für eine Immobilie, Ausbildung der Kinder): Mischung aus Zinsanlagen und Aktien-ETFs, der Aktienanteil sinkt, je näher der Termin rückt.
- Über 10 Jahre (Altersvorsorge, Vermögensaufbau): Hier spielt ein hoher Aktienanteil seine Stärke aus. Historisch hat der MSCI World über lange Zeiträume im Schnitt etwa 7 bis 8 % pro Jahr erzielt, allerdings mit Einbrüchen von 40 % und mehr zwischendurch. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.
Schreiben Sie Ihre Ziele mit Betrag und Datum auf. „Reich werden“ ist kein Ziel, „150.000 € bis zum 60. Geburtstag“ schon.
Schritt 3: Das eigene Risikoprofil ehrlich einschätzen
Risikobereitschaft ist nicht das, was Sie im Fragebogen der Bank ankreuzen, sondern wie Sie reagieren, wenn Ihr Depot in drei Monaten 30 % verliert. Ein brauchbarer Test: Stellen Sie sich einen konkreten Eurobetrag vor. Bei 20.000 € Anlagesumme wären das 6.000 € Buchverlust. Könnten Sie das aushalten, ohne zu verkaufen?
Wer diese Frage mit Nein beantwortet, ist kein schlechterer Anleger. Er braucht nur einen höheren Anteil an sicheren Bausteinen. Eine gängige Aufteilung für Einsteiger unterscheidet einen risikoarmen und einen risikoreichen Teil:
| Anlegertyp | Aktien-ETFs | Tagesgeld / Festgeld / Anleihen | Alternative Anlagen (P2P, Crowdinvesting) |
|---|---|---|---|
| Vorsichtig | 20–40 % | 60–80 % | 0 % |
| Ausgewogen | 50–70 % | 25–45 % | 0–5 % |
| Wachstumsorientiert | 70–90 % | 5–25 % | bis 10 % |
Der Notgroschen zählt hier nicht mit, er liegt immer zusätzlich auf dem Tagesgeldkonto. Die Spannen sind Orientierung, keine Anlageberatung.
Lazy Investors: Das passive ETF-Prinzip für Einsteiger
Im englischsprachigen Raum hat sich für diese Strategie der Begriff Lazy Investors eingebürgert, im Deutschen spricht man oft vom „Pantoffel-Portfolio“ oder passiven Investieren. Die Idee geht auf die Indexfonds-Bewegung zurück, die John C. Bogle mit Vanguard in den 1970er-Jahren populär gemacht hat: Statt zu versuchen, den Markt zu schlagen, kaufen Sie einfach den ganzen Markt, zu minimalen Kosten.
Ein Lazy Portfolio besteht typischerweise aus ein bis drei Bausteinen:
- einem weltweiten Aktien-ETF (z. B. auf den MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World),
- optional einem Baustein für Schwellenländer, falls der Welt-ETF sie nicht enthält,
- einem risikoarmen Anteil aus Tagesgeld, Festgeld oder Staatsanleihen-ETFs.
Danach passiert fast nichts mehr. Einmal im Jahr prüfen Sie, ob die Gewichtung noch stimmt, und schichten gegebenenfalls um (Rebalancing). Kein tägliches Kursechecken, keine Prognosen, keine Hot Stocks. Studien zu aktiv gemanagten Fonds zeigen seit Jahren, dass nach Kosten nur eine Minderheit ihren Vergleichsindex über lange Zeiträume schlägt. Faul zu sein ist bei der Geldanlage deshalb eine rationale Entscheidung.
Das Lazy-Investor-Prinzip lässt sich auch auf andere Anlageklassen übertragen: Automatisierte Sparpläne, feste Quoten und Auto-Invest-Funktionen nehmen Ihnen Entscheidungen ab, die Sie emotional sonst schlecht treffen würden. Wie das regelmäßige Investieren Kursschwankungen glättet, erklären wir im Artikel zum Cost-Average-Effekt.
Schritt 4: Depot eröffnen und Broker auswählen
Für ETFs brauchen Sie ein Wertpapierdepot. Die Eröffnung dauert online meist nur wenige Minuten, die Identifikation läuft per Video- oder Online-Ident. Achten Sie bei der Auswahl auf diese Punkte:
- Sparplan-Kosten: Viele Neobroker und Direktbanken bieten ETF-Sparpläne ohne Ausführungsgebühr an. Filialbanken verlangen teils 1,5 % oder mehr pro Rate, das frisst bei kleinen Beträgen viel Rendite.
- Depotführung: Sollte kostenlos sein, ohne Bedingungen wie Mindestumsatz.
- Einlagensicherung und Sitz: Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und bei einer Insolvenz des Brokers geschützt. Das Verrechnungskonto fällt unter die Einlagensicherung.
- Steuerliche Abwicklung: Ein deutscher Broker (oder einer mit deutscher Steuerabwicklung) führt die Abgeltungsteuer automatisch ab. Das erspart Ihnen Arbeit mit der Anlage KAP.
- ETF-Auswahl: Prüfen Sie, ob Ihr Wunsch-ETF als Sparplan verfügbar ist und ab welcher Rate.
Stellen Sie direkt nach der Eröffnung einen Freistellungsauftrag. Kapitalerträge bis 1.000 € pro Jahr (2.000 € bei zusammen veranlagten Paaren) bleiben durch den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei.
Schritt 5: Den ETF-Sparplan einrichten
Der Sparplan ist das Herzstück, wenn Sie als Anfänger investieren. Sie legen einmal fest, welcher ETF, welcher Betrag und welcher Ausführungstag, danach läuft alles automatisch. Worauf es bei der ETF-Auswahl ankommt:
- Index: Ein weltweiter Index mit über 1.000 Unternehmen ist für den Start meist sinnvoller als Länder- oder Branchen-ETFs.
- Laufende Kosten (TER): Breite Welt-ETFs gibt es ab etwa 0,1 bis 0,2 % pro Jahr.
- Fondsgröße: Größere ETFs mit mehreren hundert Millionen Euro Volumen werden seltener geschlossen.
- Replikation: Physisch replizierende ETFs kaufen die Aktien tatsächlich, für Einsteiger meist die verständlichere Wahl.
- Ausschüttend oder thesaurierend: Thesaurierende ETFs legen Dividenden automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie aufs Konto. Für den Vermögensaufbau ist Thesaurierung bequemer.
Rechenbeispiel: 200 € im Monat
Angenommen, Sie investieren ab heute 200 € monatlich in einen Welt-ETF. Bei einer angenommenen Rendite von 6 % p. a. vor Steuern (bewusst etwas unter dem historischen Durchschnitt) ergibt sich ungefähr folgendes Bild:
| Laufzeit | Eingezahlt | Depotwert bei 6 % p. a. | Davon Erträge |
|---|---|---|---|
| 10 Jahre | 24.000 € | ca. 32.800 € | ca. 8.800 € |
| 20 Jahre | 48.000 € | ca. 92.400 € | ca. 44.400 € |
| 30 Jahre | 72.000 € | ca. 200.900 € | ca. 128.900 € |
Die Zahlen sind eine Modellrechnung mit gleichmäßiger Rendite. In der Realität schwankt der Depotwert deutlich, und Steuern sowie Inflation mindern das Ergebnis. Das Beispiel zeigt aber, warum Zeit der wichtigste Faktor ist: Nach 30 Jahren stammt der größere Teil des Vermögens aus Erträgen, nicht aus Ihren Einzahlungen.
Wie viel sollten Sie monatlich investieren?
Eine feste Regel gibt es nicht, aber eine praktische Methode: Rechnen Sie Ihre monatlichen Fixkosten und variablen Ausgaben zusammen und ziehen Sie sie vom Nettoeinkommen ab. Vom Rest fließt zuerst Geld in den Notgroschen, bis er vollständig ist. Danach geht ein fester Teil, häufig werden 10 bis 20 % des Nettoeinkommens genannt, automatisch am Monatsanfang in den Sparplan. Wer erst am Monatsende spart, was übrig bleibt, spart meistens nichts.
Beispiel: Bei 2.800 € netto und 2.300 € Ausgaben bleiben 500 €. In den ersten zwölf Monaten gehen 300 € auf das Tagesgeldkonto, bis der Notgroschen von etwa 7.000 € steht, und 200 € in den ETF-Sparplan. Danach kann die volle Rate von 500 € in den Sparplan fließen, oder Sie teilen sie nach Ihrem Risikoprofil auf ETF und Festgeld auf.
Bei Gehaltserhöhungen lohnt es sich, die Sparrate direkt mit anzuheben, bevor sich der Lebensstandard an das neue Einkommen gewöhnt. Die meisten Broker erlauben es, Sparpläne jederzeit kostenlos zu ändern, auszusetzen oder zu beenden.
Einmalanlage oder Sparplan?
Wenn Sie bereits eine größere Summe haben, etwa aus einer Erbschaft oder einem Bonus, stellt sich die Frage, ob Sie alles auf einmal investieren oder den Betrag über mehrere Monate verteilen. Die Datenlage ist recht eindeutig: Eine Vanguard-Auswertung für den Zeitraum 1976 bis 2022 zeigt, dass die sofortige Einmalanlage in rollierenden Einjahreszeiträumen je nach Markt in 62 bis 74 % der Fälle besser abschnitt als das gestaffelte Investieren. Der Grund ist simpel: Märkte steigen häufiger, als sie fallen, und Geld an der Seitenlinie verpasst diese Anstiege.
Trotzdem kann das Verteilen sinnvoll sein, wenn die Angst vor einem Crash direkt nach dem Kauf so groß ist, dass Sie sonst gar nicht investieren würden. Ein Kompromiss für Anfänger: die Summe auf drei bis sechs Monatsraten aufteilen. Das kostet im Schnitt etwas Rendite, erleichtert aber den Einstieg.
Kosten: Der unterschätzte Renditekiller
Kosten sind die einzige Größe bei der Geldanlage, die Sie sicher kontrollieren können. Ein Unterschied von einem Prozentpunkt pro Jahr klingt klein, summiert sich aber. Bei 200 € monatlich über 30 Jahre und 6 % Bruttorendite bleiben mit 0,2 % laufenden Kosten rund 193.000 € übrig, mit 1,5 % Kosten (typisch für aktiv gemanagte Fonds mit Ausgabeaufschlag) nur etwa 152.000 €. Ohne dass Sie mehr Risiko getragen hätten.
| Kostenart | Günstig | Teuer |
|---|---|---|
| Laufende Fondskosten (TER) | 0,1–0,3 % p. a. (Welt-ETF) | 1,5–2 % p. a. (aktiver Fonds) |
| Ausgabeaufschlag | 0 % (ETF über Börse) | bis 5 % (Fonds über Bank) |
| Sparplan-Ausführung | 0 € bei vielen Neobrokern | 1,5 % pro Rate oder Mindestgebühr |
| Depotführung | 0 € | Jahresgebühr oder Prozent vom Depot |
| Beratung | keine / Honorarberatung | versteckte Provisionen, Vermögensverwaltung ab ca. 1 % p. a. |
Typische Fehler beim Investieren für Anfänger
Die meisten Fehler sind nicht technisch, sondern psychologisch. Diese sieht man bei Einsteigern immer wieder:
- Ohne Notgroschen starten. Die erste unerwartete Rechnung zwingt zum Verkauf, oft im Minus.
- Auf den perfekten Einstiegszeitpunkt warten. Niemand kann den Markt zuverlässig timen. Wer wartet, verpasst im Schnitt mehr Rendite, als er durch einen besseren Einstieg gewinnt.
- Im Crash verkaufen. Kurseinbrüche gehören dazu. Wer 2020 im März verkauft hat, hat die Erholung danach verpasst.
- Zu viele Produkte. Fünf verschiedene Welt-ETFs streuen nicht besser als einer, sie machen das Depot nur unübersichtlich.
- Trends hinterherlaufen. Themen-ETFs, Meme-Aktien oder Kryptowährungen nach starken Anstiegen kaufen, weil alle darüber reden.
- Hohe Renditeversprechen glauben. Angebote mit „garantiert 12 % pro Jahr“ sind entweder sehr riskant oder unseriös. Die BaFin warnt regelmäßig vor solchen Anbietern.
- Steuern vergessen. Kein Freistellungsauftrag, keine Anlage KAP für ausländische Plattformen, und am Ende kommt eine Nachzahlung.
In was investieren? Wo P2P-Kredite und Crowdinvesting hinpassen
Viele Anfänger stoßen früh auf P2P-Kredite oder Crowdinvesting, weil dort Renditen von 8 bis 12 % p. a. beworben werden. Solche Anlagen können einen Platz im Portfolio haben, aber nicht als Fundament. Das Modell dafür heißt Core-Satellite:
- Core (Kern, 90–95 %): Notgroschen plus breit gestreute ETFs und sichere Zinsanlagen.
- Satellit (5–10 %): Beimischungen wie Einzelaktien, P2P-Kredite, Crowdinvesting oder Immobilien-Crowdfunding.
Bei P2P-Krediten leihen Sie Ihr Geld über eine Plattform an Privatpersonen oder Unternehmen und erhalten dafür Zinsen. Im Unterschied zum Tagesgeld gibt es keine Einlagensicherung. Kreditnehmer können ausfallen, Kreditgeber (Loan Originators) können insolvent werden, und in der Vergangenheit haben mehrere Plattformen Auszahlungen eingefroren oder mussten schließen. Rückkaufgarantien sind nur so viel wert wie die Firma, die sie gibt. Einen Überblick über diese Risiken finden Sie in unserem Beitrag zu den Risiken beim Crowdlending.
Beim Crowdinvesting finanzieren Sie Immobilienprojekte oder junge Unternehmen, häufig über Nachrangdarlehen. Im Insolvenzfall werden Sie erst nach anderen Gläubigern bedient, ein Totalverlust ist möglich. Die Laufzeiten sind fest, vorzeitig kommen Sie meist nicht an Ihr Geld.
Wenn Sie sich für eine Beimischung entscheiden, gelten ein paar Regeln:
- Erst den Kern aufbauen, dann Satelliten ergänzen.
- Nur Plattformen mit Regulierung (z. B. ECSP-Lizenz nach EU-Schwarmfinanzierungsverordnung) und nachvollziehbarer Historie wählen.
- Auf mehrere Plattformen und viele Einzelkredite streuen, per Auto-Invest lässt sich das automatisieren.
- Mit kleinen Beträgen testen, bevor Sie aufstocken.
Welche Anbieter wir wie bewerten, zeigt unser Plattform-Ranking; nach welchen Kriterien, steht in der Bewertungsmethodik. Wer unsicher ist, welche Plattform zum eigenen Profil passt, kann den Plattform-Finder nutzen.
Investieren für Anfänger: Schritt für Schritt zusammengefasst
- Konsumschulden tilgen, vor allem Dispo- und Kreditkartenkredite.
- Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf ein Tagesgeldkonto legen.
- Ziele mit Betrag und Zeitpunkt aufschreiben, Anlagehorizont bestimmen.
- Risikoprofil festlegen: Welcher Anteil darf schwanken, welcher muss sicher sein?
- Günstiges Depot eröffnen und Freistellungsauftrag stellen.
- Einen breit gestreuten Welt-ETF auswählen und einen Sparplan einrichten.
- Den risikoarmen Anteil auf Tagesgeld, Festgeld oder Anleihen verteilen.
- Optional: 5–10 % in Satelliten wie P2P-Kredite oder Crowdinvesting, gestreut und reguliert.
- Einmal im Jahr prüfen und rebalancen, sonst in Ruhe lassen.
- Sparrate erhöhen, wenn das Einkommen steigt.
Steuern für Einsteiger: Was Sie wissen müssen
Zinsen, Dividenden und Kursgewinne sind in Deutschland Einkünfte aus Kapitalvermögen. Darauf fallen 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag an, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Jahr bleiben die Erträge steuerfrei.
Bei Aktien-ETFs bleiben 30 % der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei. Für thesaurierende Fonds wird jährlich eine Vorabpauschale berechnet, deren Basiszins für 2026 bei 3,20 % liegt. Die Steuer darauf zieht ein deutscher Broker Anfang des Folgejahres automatisch ein, falls der Freibetrag ausgeschöpft ist. Halten Sie deshalb etwas Guthaben auf dem Verrechnungskonto.
Zinsen von ausländischen P2P-Plattformen werden in der Regel nicht automatisch versteuert. Sie müssen sie selbst in der Anlage KAP angeben. Details dazu im Artikel zur Besteuerung von Crowdlending.
Investing 2026: Was sich für Einsteiger geändert hat
Wer 2026 mit dem Investing beginnt, hat bessere Voraussetzungen als vor zehn Jahren. Sparpläne gibt es ab kleinen Beträgen und oft ohne Gebühren, ETFs auf fast jeden Index und die Zinsen auf sichere Anlagen sind wieder positiv. Gleichzeitig ist das Umfeld unruhiger: Die EZB hat die Zinsen 2026 wegen steigender Inflation wieder angehoben, die Energiepreise treiben die Teuerung. Für Anfänger ändert das an der Grundstrategie wenig. Ein Tagesgeldkonto mit ordentlichem Zins deckt den sicheren Teil ab, der ETF-Sparplan den Vermögensaufbau.
Wenn Sie eine größere Summe auf einmal anlegen möchten, finden Sie konkrete Aufteilungsvorschläge in unserem Beitrag 10.000 Euro anlegen. Einen Überblick über alle Anlageklassen gibt der Ratgeber Geld anlegen.
Risikohinweis
Jede Geldanlage in Wertpapiere, P2P-Kredite oder Crowdinvesting ist mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Für P2P-Kredite und Crowdfunding-Anlagen gibt es keine gesetzliche Einlagensicherung. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Wie viel Geld brauche ich, um als Anfänger zu investieren?
Weniger, als viele glauben. ETF-Sparpläne sind bei vielen Brokern schon ab 1 bis 25 Euro pro Monat möglich. Wichtiger als der Startbetrag ist die Reihenfolge: Zuerst sollte ein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto liegen. Erst das Geld, das Sie darüber hinaus mehrere Jahre nicht brauchen, gehört an die Börse. Wer mit 50 Euro im Monat startet und die Rate später erhöht, ist besser dran als jemand, der jahrelang auf den großen Betrag wartet.
In was investieren als Anfänger?
Für die meisten Einsteiger ist ein breit gestreuter Welt-ETF, zum Beispiel auf den MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World, der sinnvollste erste Baustein. Er enthält über tausend Unternehmen aus vielen Ländern und kostet meist nur 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Ergänzt wird er durch einen sicheren Anteil aus Tagesgeld, Festgeld oder Anleihen. Einzelaktien, P2P-Kredite oder Crowdinvesting eignen sich höchstens als kleine Beimischung von fünf bis zehn Prozent, nachdem der Kern steht.
Was bedeutet Lazy Investors?
Lazy Investors, also faule Anleger, verfolgen eine passive Strategie: Sie kaufen den gesamten Markt über wenige, günstige Index-ETFs und greifen danach kaum noch ein. Statt Aktien auszuwählen oder den richtigen Zeitpunkt zu suchen, investieren sie per Sparplan regelmäßig und passen die Aufteilung höchstens einmal im Jahr an. Der Ansatz beruht auf der Beobachtung, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds nach Kosten langfristig schlechter abschneiden als ihr Vergleichsindex. Im Deutschen spricht man auch vom Pantoffel-Portfolio.
Ist ein ETF-Sparplan sicher?
Ein ETF-Sparplan ist nicht sicher im Sinne einer garantierten Rückzahlung. Der Wert schwankt mit den Aktienmärkten, zeitweise Verluste von 30 bis 50 Prozent sind möglich. Sicher ist dagegen die Struktur: ETFs sind Sondervermögen und bei einer Pleite des Anbieters oder Brokers geschützt. Über lange Zeiträume von 15 Jahren und mehr haben breit gestreute Aktienindizes historisch fast immer positive Ergebnisse erzielt. Eine Garantie für die Zukunft ist das aber nicht.
Wie viel Rendite ist mit ETFs realistisch?
Der MSCI World hat seit den 1970er-Jahren im Durchschnitt etwa sieben bis acht Prozent pro Jahr erzielt, je nach Zeitraum und Berechnung auch etwas mehr. Das ist ein langfristiger Mittelwert, in einzelnen Jahren waren Verluste von über 40 Prozent dabei. Für eigene Planungen ist es vernünftig, konservativer mit fünf bis sechs Prozent vor Steuern und Inflation zu rechnen. Wer höhere Zahlen annimmt, riskiert, später zu wenig Geld zu haben.
Sollte ich als Anfänger in P2P-Kredite investieren?
P2P-Kredite sind für Anfänger nicht der richtige Einstieg, können aber später eine kleine Beimischung sein. Die beworbenen Zinsen von acht bis zwölf Prozent spiegeln echte Risiken wider: Kreditausfälle, Pleiten von Kreditgebern und eingefrorene Auszahlungen kamen in der Vergangenheit vor. Eine Einlagensicherung gibt es nicht. Wer investieren möchte, sollte nur regulierte Plattformen wählen, breit streuen und maximal fünf bis zehn Prozent des Anlagevermögens einsetzen.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit dem Investieren anzufangen?
Sobald Notgroschen und Konsumschulden geklärt sind. Den perfekten Einstiegszeitpunkt kann niemand zuverlässig vorhersagen, auch Profis nicht. Studien zeigen, dass bei vorhandenem Kapital eine sofortige Anlage historisch meist besser abgeschnitten hat als Abwarten. Mit einem monatlichen Sparplan umgehen Sie die Frage ohnehin: Sie kaufen automatisch in guten und schlechten Phasen und profitieren vom Durchschnittskosteneffekt.