Immobilien Investment 2026: Wohnung, REIT, ETF oder Crowdfunding?
Eigentumswohnung, offener Immobilienfonds, REIT, Immobilien ETF, Crowdfunding oder Token: Welches Immobilien Investment passt 2026 zu Ihnen? Vergleich mit Mietrendite-Rechnung, Steuerregeln und ehrlicher Bilanz der Crowdfunding-Ausfälle.
Ein Immobilien Investment ist 2026 auf sechs Wegen möglich: als vermietete Eigentumswohnung, über offene Immobilienfonds, börsennotierte REITs, Immobilien-ETFs, Crowdfunding- bzw. Crowdlending-Plattformen oder tokenisierte Immobilien. Die Wege unterscheiden sich stärker, als der gemeinsame Begriff „Immobilie“ vermuten lässt: beim Kapitalbedarf (ab 1 € bis 300.000 €), bei der Liquidität (Börsenkurs sekündlich vs. zehn Jahre Bindung) und vor allem beim Risiko.
Dieser Leitfaden vergleicht alle Varianten mit echten Zahlen, zeigt, wie Sie die Mietrendite brutto und netto berechnen, und ordnet die Ausfälle im Immobilien-Crowdfunding seit 2023 ehrlich ein. Stand der Zinsen und Steuerregeln: September 2026.
Immobilien Investment: alle Varianten im Vergleich
Die Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Renditeangaben sind typische Bandbreiten bzw. Zielrenditen der Anbieter, keine Garantie.
| Variante | Mindestkapital | Liquidität | Rendite (typisch) | Hauptrisiko | Steuer (Privatanleger) |
|---|---|---|---|---|---|
| Eigentumswohnung (vermietet) | meist 20–30 % Eigenkapital plus Kaufnebenkosten | sehr gering, Verkauf dauert Monate | Nettomietrendite oft 2–4 % plus Wertentwicklung, mit Kredit gehebelt | Klumpenrisiko, Mietausfall, Sanierung, Zinsänderung | Mieteinkünfte mit persönlichem Steuersatz; Verkaufsgewinn nach 10 Jahren steuerfrei |
| Offener Immobilienfonds | ab ca. 25–50 € (Sparplan) | 24 Monate Mindesthaltedauer, 12 Monate Kündigungsfrist | zuletzt teils negativ, langfristig niedrig einstellig | Abwertungen, Rücknahmeaussetzung | Abgeltungsteuer, 60 % bzw. 80 % Teilfreistellung |
| REIT (Einzelaktie) | Preis einer Aktie | börsentäglich | Dividende plus/minus Kursentwicklung | Aktienkursschwankungen, Zinsempfindlichkeit | Abgeltungsteuer; bei US-REITs 15 % Quellensteuer (anrechenbar) |
| Immobilien-ETF | ab 1 € (Sparplan) | börsentäglich | wie Immobilienaktienmarkt, stark schwankend | Marktrisiko, hoher US-Anteil | Abgeltungsteuer, Teilfreistellung je nach Fonds 0–80 % |
| Immobilien-Crowdfunding/-Crowdlending | ab 50–500 € je Projekt | gebunden bis Laufzeitende, teils Zweitmarkt | Zielzins meist 5–12 % p. a. | Projektausfall, Nachrang, Plattformrisiko | Zinsen als Kapitalertrag, 25 % + Soli |
| Tokenisierte Immobilien | ab ca. 100 € | abhängig vom plattformeigenen Zweitmarkt | Zielrenditen der Anbieter teils zweistellig | Rechts-, Emittenten-, Technik- und Währungsrisiko | je nach Struktur Kapitalertrag; Einzelfall prüfen |
Die Kurzfassung: Wer Immobilien als stabilen Baustein will, landet eher bei ETFs oder REITs in einem breiten Depot. Wer Kontrolle und Hebel sucht und Zeit mitbringt, prüft die eigene Wohnung. Crowdfunding und Token sind Satelliten mit höherem Einzelrisiko.
Eigentumswohnung als Kapitalanlage
Die vermietete Wohnung ist das klassische Immobilien Investment in Deutschland. Ihr Vorteil ist der Kredithebel: Die Bank finanziert den größten Teil, die Miete bedient Zins und Tilgung. Dieser Hebel wirkt aber in beide Richtungen. Bauzinsen mit zehn Jahren Zinsbindung liegen im September 2026 je nach Anbieter und Bonität bei rund 3,7 bis 4,4 %. Liegt die Nettomietrendite darunter, kostet jeder geliehene Euro mehr, als er einbringt.
Kaufnebenkosten unterschätzen viele
Zum Kaufpreis kommen die Grunderwerbsteuer (2026 zwischen 3,5 % in Bayern und 6,5 % in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein), Notar und Grundbuch (zusammen rund 1,5–2 %) und gegebenenfalls die Maklerprovision. In einem 6,5-%-Land mit Makler kommen schnell 11–12 % des Kaufpreises zusammen, die weder finanziert noch beim Verkauf zurückerstattet werden.
Steuerliche Eckpunkte
- Mieteinnahmen minus Werbungskosten (Schuldzinsen, Verwaltung, Instandhaltung, Abschreibung) werden mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
- Die lineare Gebäude-AfA beträgt 2 % pro Jahr (Baujahr ab 1925), für ab 2023 fertiggestellte Wohngebäude 3 %.
- Ein Verkaufsgewinn ist nach zehn Jahren Haltedauer steuerfrei (Spekulationsfrist, § 23 EStG).
Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen: Mietersuche, Eigentümerversammlungen, Nebenkostenabrechnung, Reparaturen. Wer das nicht selbst machen will, zahlt eine Mietverwaltung und senkt damit die Rendite.
Rendite Immobilien berechnen: Mietrendite brutto und netto
Die Bruttomietrendite ist die Zahl aus dem Exposé. Sie setzt die Jahreskaltmiete ins Verhältnis zum Kaufpreis. Aussagekräftig ist erst die Nettomietrendite, die Kaufnebenkosten und nicht umlagefähige Kosten einrechnet.
Rechenbeispiel: Eigentumswohnung in Nordrhein-Westfalen, Kaufpreis 300.000 €, Kaltmiete 900 € pro Monat.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Jahreskaltmiete (12 × 900 €) | 10.800 € |
| Bruttomietrendite (10.800 € ÷ 300.000 €) | 3,6 % |
| Grunderwerbsteuer 6,5 % | 19.500 € |
| Notar und Grundbuch ca. 2 % | 6.000 € |
| Maklerprovision 3,57 % (Käuferanteil) | 10.710 € |
| Gesamtinvestition | 336.210 € |
| Verwaltung (Sondereigentum), pro Jahr | − 300 € |
| Instandhaltungsrücklage, nicht umlagefähig | − 1.200 € |
| Mietausfallwagnis 2 % | − 216 € |
| Jahresreinertrag | 9.084 € |
| Nettomietrendite (9.084 € ÷ 336.210 €) | ca. 2,7 % |
Aus 3,6 % Exposé-Rendite werden also rund 2,7 % vor Steuern und vor Finanzierung. Wird die Wohnung zu 4 % finanziert, ist der Hebel negativ: Die Rendite hängt dann fast vollständig an künftigen Mietsteigerungen und am Wertzuwachs. Eine grobe Faustregel lautet deshalb: Kaufpreis nicht höher als das 20- bis 25-Fache der Jahreskaltmiete. Im Beispiel liegt der Faktor bei 27,8.
Offene Immobilienfonds: bequem, aber nicht mehr risikoarm
Offene Immobilienfonds kaufen Büro-, Einzelhandels- und Wohnimmobilien und geben Anteile an Privatanleger aus. Jahrzehntelang galten sie als „Tagesgeld mit Betongold“. Seit 2013 gilt nach dem Kapitalanlagegesetzbuch eine Mindesthaltedauer von 24 Monaten und eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten, damit Fonds bei Mittelabflüssen nicht in Notverkäufe geraten.
Nach der Zinswende haben Gutachter viele Objekte niedriger bewertet. Ein bekanntes Beispiel: Der UniImmo: Wohnen ZBI senkte im Juni 2024 seinen Anteilspreis in einem Schritt um rund 17 %. Solche Sprünge entstehen, weil Fonds nicht täglich zu Marktpreisen bewertet werden, sondern über Gutachten. Das glättet die Kurve, verschiebt Verluste aber nur.
Steuerlich sind offene Immobilienfonds attraktiv: 60 % der Erträge bleiben nach § 20 Investmentsteuergesetz steuerfrei, bei überwiegend ausländischen Immobilien 80 %. Die BaFin weist darauf hin, dass Anteile auch dauerhaft ausgesetzt und Fonds abgewickelt werden können.
Real Estate Investment Trust (REIT) einfach erklärt
Ein Real Estate Investment Trust ist eine börsennotierte Immobiliengesellschaft, die auf Unternehmensebene weitgehend steuerbefreit ist. Im Gegenzug muss sie den Großteil ihres Gewinns ausschütten. REITs vermieten Wohnungen, Büros, Logistikhallen, Rechenzentren, Mobilfunkmasten oder Pflegeheime. Für Anleger ist ein REIT eine Aktie mit hoher Dividende, deren Kurs an der Börse schwankt.
Deutsche REIT-AG
In Deutschland regelt das REIT-Gesetz seit 2007 die REIT-Aktiengesellschaft. Die wichtigsten Regeln: Börsennotierung ist Pflicht, mindestens 90 % des handelsrechtlichen Jahresüberschusses müssen ausgeschüttet werden, dafür entfallen Körperschaft- und Gewerbesteuer. Bestandsmietwohnungen in Deutschland, die vor 2007 gebaut wurden, darf eine REIT-AG nicht halten. Der Markt ist klein: Der RX-REIT-Index der Deutschen Börse umfasst nur eine Handvoll Werte, bekanntestes Beispiel ist die Hamborner REIT AG mit Einzelhandels- und Büroimmobilien.
US-REITs
Der größte REIT-Markt ist die USA. Dort müssen REITs mindestens 90 % ihres steuerpflichtigen Einkommens ausschütten. Deutsche Anleger zahlen auf US-Dividenden 15 % Quellensteuer, wenn der Broker das Formular W-8BEN hinterlegt hat; diese wird auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet. Hinzu kommt das Wechselkursrisiko Euro/Dollar.
Wie werden REITs besteuert?
Dividenden einzelner REIT-Aktien unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag (gegebenenfalls Kirchensteuer). Eine Teilfreistellung gibt es bei Einzelaktien nicht. Kursgewinne werden beim Verkauf ebenfalls mit Abgeltungsteuer belegt, unabhängig von der Haltedauer.
Immobilien ETF: breit streuen mit kleinem Budget
Ein Immobilien ETF bildet einen Index aus Immobilienaktien und REITs ab, etwa weltweit, nur Europa oder nur Industrieländer. Mit einem Sparplan ab wenigen Euro halten Sie Anteile an hunderten Gesellschaften. Das löst das Klumpenproblem der Einzelwohnung, bringt aber das Aktienmarktrisiko mit: Immobilienaktien reagieren empfindlich auf steigende Zinsen und fielen nach der Zinswende 2022 deutlich stärker als der breite Aktienmarkt.
Zwei Punkte sollten Sie vor dem Kauf prüfen:
- Länderstruktur: Globale Immobilien-ETFs sind häufig zu mehr als der Hälfte in US-REITs investiert.
- Teilfreistellung: REIT-Aktien gelten steuerlich nicht als Kapitalbeteiligung. Ein reiner REIT-ETF ist daher nicht automatisch ein Aktienfonds mit 30 % Teilfreistellung. Je nach Anlagebedingungen gelten 0 %, 30 %, 60 % oder 80 %. Die Einstufung steht im Verkaufsprospekt oder im Factsheet.
Wer bereits einen breiten Welt-ETF besitzt, hält übrigens schon Immobilienaktien, typischerweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Ein zusätzlicher Immobilien ETF erhöht diese Gewichtung gezielt.
Immobilien-Crowdfunding und Crowdlending
Beim Immobilien-Crowdfunding finanzieren viele Anleger gemeinsam ein Bau- oder Bestandsprojekt, meist als Darlehen an eine Projektgesellschaft. Anleger erhalten einen festen Zins, Laufzeiten liegen typischerweise zwischen 12 und 36 Monaten. Rechtlich gibt es zwei Welten:
- Nachrangdarlehen nach deutschem Vermögensanlagengesetz: Anleger stehen hinter allen anderen Gläubigern, oft ohne Sicherheit. Details im Ratgeber Nachrangdarlehen.
- Darlehen oder Anleihen unter der EU-Crowdfunding-Verordnung (ECSP): mit unbedingter Rückzahlungspflicht, häufig mit Grundschuld oder Hypothek besichert. Ein Projektträger kann darüber bis zu 5 Mio. € in zwölf Monaten einsammeln.
Eine Übersicht aller Anbieter finden Sie in unserer Kategorie Immobilien-Crowdfunding und im Ranking der besten Immobilien-Plattformen. Einige Beispiele mit unterschiedlichen Modellen:
| Plattform | Sitz | Modell | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Exporo | Deutschland | Projekt-Finanzierungen (Nachrangdarlehen, Anleihen), früher Bestandsimmobilien | Musterverfahren am OLG Hamburg seit Juli 2025 |
| EstateGuru | Estland | besicherte Immobilienkredite | deutsches Portfolio vollständig in Verwertung |
| Urbanitae | Spanien | Projektentwicklungen, Darlehen und Beteiligungen | Aufsicht CNMV |
| Civislend | Spanien | Immobilienkredite an Projektentwickler | Aufsicht CNMV |
| Inrento | Litauen | Immobilienkredite und Mietobjekte | Aufsicht Bank von Litauen |
| Profitus | Litauen | besicherte Immobilienkredite | Aufsicht Bank von Litauen |
| Reental | Spanien | tokenisierte Immobilienprojekte | Ausschüttungen in der Stablecoin USDT |
Grundschulden klingen beruhigend. In der Praxis entscheidet aber, wie schnell und zu welchem Preis eine Immobilie verwertet werden kann, und wer im Grundbuch vor den Anlegern steht.
Die Ausfallwelle 2023–2026: was im Immobilien-Crowdfunding schiefging
Bis 2021 lief das Modell reibungslos, weil steigende Preise jeden Fehler überdeckten. Mit höheren Zinsen, gestiegenen Baukosten und einbrechenden Verkaufszahlen gerieten ab 2023 viele Projektentwickler in Schieflage. Die Folgen tragen Crowd-Anleger bis heute. Der Marktmonitor von crowdinvest.de erfasst per 31.08.2026 rund 1,93 Mrd. € Crowdinvesting-Volumen in Deutschland; rund 1,29 Mrd. € davon, also etwa zwei Drittel, entfallen auf Immobilien. Mindestens 26,6 Mio. € führt die Datenbank als ausgefallen; weil sie nicht vollständig gepflegt wird, dürfte die tatsächliche Summe höher liegen. Ein zentrales, amtliches Ausfallregister gibt es nicht.
- Exporo: Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat am 30.07.2025 ein Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz gegen die Exporo AG und die Exporo Forderungshändler II GmbH eröffnet (Az. 13 Kap 2/25), ausgelöst unter anderem durch das Projekt „Am Hamburger Stadtpark“. Bei den früheren Bestandsimmobilien (heute unter der Marke Propvest) werden Anteile auf dem Zweitmarkt häufig mit rund 25 % Abschlag gehandelt.
- Bergfürst: Mehrere vermittelte Projekte sind insolvent, darunter das Moxy Hotel Troisdorf (rund 1,9 Mio. €, Kapitalverlust) und Pforzheim-Mitte (rund 3,35 Mio. € von etwa 1.821 Anlegern, Emittentin insolvent). Die Bergfürst AG wies für 2024 einen Jahresverlust von 1,43 Mio. € aus.
- EstateGuru: Die estnische Plattform vergibt seit Ende 2022 keine neuen Kredite in Deutschland; alle verbliebenen deutschen Kredite befinden sich laut Unternehmen in der Verwertung. Zwangsversteigerungen dauern Jahre. Ein dokumentiertes Beispiel aus Plauen: Von 847.000 € Kreditsumme flossen nach über drei Jahren rund 453.000 € an die Anleger zurück.
- EV Digital Invest (früher Engel & Völkers Capital): Die Plattform stellte im Juli 2025 Insolvenzantrag in Eigenverwaltung; die technische Verwaltung der Anlegerbestände übernahm Bergfürst.
Das heißt nicht, dass jedes Projekt verloren ist. Plattformen melden viele planmäßige Rückzahlungen, Exporo etwa über 810 Mio. € nach eigenen Angaben. Es heißt aber: Die Zinsaufschläge von 5–8 % über Tagesgeld waren kein Geschenk, sondern eine Risikoprämie, die sich in einem schlechten Zyklus realisiert hat. Mehr zu Risikofaktoren lesen Sie unter Crowdlending-Risiken.
Reental und tokenisierte Immobilien
Tokenisierte Immobilien sind eine technische Variante des Crowdfundings: Der Anspruch des Anlegers wird als digitaler Token auf einer Blockchain abgebildet. Die spanische Plattform Reental ist dafür ein bekanntes Beispiel. Laut eigener Website nutzt Reental in Spanien ein tokenisiertes Beteiligungsdarlehen („tokenized equity loan“), in den USA Token auf Anteile einer Objektgesellschaft. Mieterträge werden in USDT ausgeschüttet, einem an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin. Reental meldet über 120 tokenisierte Projekte und mehr als 110 Mio. US-$ tokenisiertes Volumen; Einstieg laut Anbieter ab 100 €.
Was Sie wissen sollten:
- Ein Token macht Sie nicht zum Grundbucheigentümer. Entscheidend ist der Vertrag dahinter.
- Die Liquidität hängt am plattformeigenen Zweitmarkt. Fällt die Nachfrage, ist der Token schwer verkäuflich.
- Ausschüttungen in USDT bringen Dollar- und Stablecoin-Risiko ins Portfolio und erschweren die Steuererklärung.
- Die beworbenen Zielrenditen sind Prognosen der Plattform.
Unser Profil zu Reental fasst Struktur, Kosten und Anlegerfeedback zusammen.
Typische Fehler beim Immobilien Investment
Die meisten Enttäuschungen haben weniger mit Pech zu tun als mit wiederkehrenden Denkfehlern. Diese fünf begegnen uns in Anlegerforen und Beschwerden am häufigsten:
- Exposé-Rendite für bare Münze nehmen. Bruttorenditen blenden Kaufnebenkosten, Leerstand und Instandhaltung aus. Rechnen Sie immer netto und mit einem realistischen Mietausfall.
- „Betongold“ mit „sicher“ verwechseln. Eine Immobilie verliert nicht über Nacht ihren Wert, aber Preise können über Jahre fallen. Zwischen 2022 und 2024 sanken die Preise für Wohnimmobilien in vielen deutschen Städten spürbar, Büroimmobilien traf es noch härter.
- Grundschuld als Garantie verstehen. Im Crowdlending entscheidet der Rang im Grundbuch, der Beleihungsauslauf und die Verwertbarkeit. Ein halbfertiger Rohbau in einer Kleinstadt ist schwer zu verkaufen, selbst wenn er formal als Sicherheit dient.
- Alles auf ein Projekt setzen. Wer 10.000 € in ein einziges Crowd-Projekt legt, hat kein diversifiziertes Immobilien Investment, sondern eine Einzelwette auf einen Projektentwickler.
- Liquidität falsch einschätzen. Offene Immobilienfonds, Crowd-Darlehen und Token lassen sich nicht jederzeit zum fairen Preis verkaufen. Planen Sie nur Geld ein, das Sie über die volle Laufzeit nicht brauchen.
Ein nützlicher Gegencheck: Würden Sie das Projekt auch finanzieren, wenn der Zins nur 3 % betrüge? Wenn nein, kaufen Sie vor allem die hohe Zinszahl und nicht die Immobilie. Wie Plattformen sich bei Sicherheiten, Gebühren und Transparenz unterscheiden, zeigt unser Leitfaden zur Plattformwahl.
Immobilien Investment Schritt für Schritt
- Notgroschen und Schulden klären: Drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto, keine teuren Konsumkredite.
- Ziel festlegen: Laufende Einnahmen, Vermögensaufbau oder Eigennutzung? Die Wohnung zur Selbstnutzung ist eine Konsumentscheidung, keine Kapitalanlage.
- Anteil bestimmen: Wie viel Prozent Ihres Vermögens soll in Immobilien stecken, und wie viel davon darf illiquide sein?
- Variante wählen: Kleiner Betrag und Streuung → ETF oder REITs. Hohes Eigenkapital und Zeit → Direktinvestment. Rendite-Satellit → Crowdlending.
- Kosten rechnen: Nettomietrendite, Fondskosten, Plattformgebühren, Steuern.
- Streuen: Bei Crowd-Projekten nie mehr als 1–2 % des Depots in ein einzelnes Projekt.
- Regelmäßig prüfen: Zinszahlungen, Projekt-Updates, Verzugsquoten der Plattform.
Beispiel: 50.000 € ohne eigene Wohnung
Wie könnte ein Immobilienanteil aussehen, wenn keine eigene Wohnung gekauft werden soll? Ein mögliches, bewusst vorsichtiges Muster für 50.000 € Gesamtvermögen mit Anlagehorizont über zehn Jahre:
| Baustein | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Tagesgeld (Notgroschen) | 10.000 € | 20 % |
| Welt-Aktien-ETF | 30.000 € | 60 % |
| Immobilien ETF (global) | 6.000 € | 12 % |
| Immobilien-Crowdlending, 8 Projekte à 500 € | 4.000 € | 8 % |
Fällt im Crowdlending-Teil ein Projekt komplett aus, kostet das 500 € oder 1 % des Vermögens. Das ist schmerzhaft, aber tragbar. Mehr zur Aufteilung finden Sie im Ratgeber Geld anlegen.
Steuern beim Immobilien Investment im Überblick
| Variante | Einkunftsart | Besonderheit |
|---|---|---|
| Vermietete Wohnung | Vermietung und Verpachtung | persönlicher Steuersatz, AfA 2 % bzw. 3 %, Verkauf nach 10 Jahren steuerfrei |
| Offener Immobilienfonds | Kapitalvermögen | Teilfreistellung 60 % (Inland) bzw. 80 % (Ausland) |
| REIT-Aktie | Kapitalvermögen | keine Teilfreistellung, ggf. Quellensteuer |
| Immobilien ETF | Kapitalvermögen | Teilfreistellung je nach Fondseinstufung, Vorabpauschale |
| Crowdlending | Kapitalvermögen | ausländische Plattformen führen meist keine Steuer ab → Anlage KAP |
Für alle Kapitalerträge gilt der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Person (2.000 € bei Zusammenveranlagung). Verluste aus ausgefallenen Darlehen sind seit dem Jahressteuergesetz 2024 wieder unbegrenzt mit anderen Kapitalerträgen verrechenbar, die frühere Grenze von 20.000 € pro Jahr ist rückwirkend entfallen. Details im Beitrag Crowdlending und Steuern.
Risikohinweis
Jedes Immobilien Investment kann Verluste bringen. Bei Crowdfunding, Crowdlending und tokenisierten Immobilien ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Es besteht keine gesetzliche Einlagensicherung. Nachrangdarlehen können bereits vor einer Insolvenz nicht mehr zurückgezahlt werden. Investieren Sie nur Geld, das Sie langfristig entbehren können, und streuen Sie über viele Projekte und Anlageklassen. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Welches Immobilien Investment eignet sich für Anfänger?
Für Einsteiger ist ein Immobilien-ETF oder ein kleiner Anteil REITs im Depot meist der einfachste Weg. Sie investieren ab wenigen Euro per Sparplan, streuen über hunderte Gesellschaften und können täglich verkaufen. Eine vermietete Wohnung bindet dagegen viel Eigenkapital, verlangt Verwaltungsaufwand und konzentriert das Risiko auf ein Objekt. Crowdlending-Projekte eignen sich höchstens als kleiner Beimischungsbaustein, wenn Sie das Risiko von Projektausfällen verstehen und tragen können.
Was ist ein Real Estate Investment Trust (REIT)?
Ein Real Estate Investment Trust ist eine börsennotierte Immobiliengesellschaft, die auf Unternehmensebene weitgehend von Steuern befreit ist und dafür den Großteil ihres Gewinns ausschütten muss. In Deutschland verlangt das REIT-Gesetz mindestens 90 % des handelsrechtlichen Jahresüberschusses, in den USA 90 % des steuerpflichtigen Einkommens. Anleger kaufen REITs wie Aktien über die Börse. Dividenden unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer, bei US-REITs wird zusätzlich eine anrechenbare Quellensteuer von meist 15 % einbehalten.
Wie berechne ich die Rendite einer Immobilie?
Die Bruttomietrendite ist die Jahreskaltmiete geteilt durch den Kaufpreis. Beispiel: 10.800 € Miete bei 300.000 € Kaufpreis ergeben 3,6 %. Für die Nettomietrendite ziehen Sie nicht umlagefähige Kosten wie Verwaltung, Instandhaltung und Mietausfallwagnis von der Miete ab und teilen durch Kaufpreis plus Kaufnebenkosten. Im Beispiel sinkt die Rendite damit auf rund 2,7 %. Finanzierungskosten und Steuern kommen noch hinzu.
Sind Immobilien ETFs eine gute Alternative zur eigenen Wohnung?
Ein Immobilien ETF ist liquider, günstiger im Einstieg und breiter gestreut als eine einzelne Wohnung. Dafür schwankt er wie ein Aktienfonds und reagiert stark auf Zinsänderungen. Einen Kredithebel und steuerfreie Veräußerungsgewinne nach zehn Jahren bietet er nicht. Wer keine Zeit für Vermietung hat oder kein hohes Eigenkapital besitzt, ist mit einem ETF meist besser bedient. Prüfen Sie vor dem Kauf die Teilfreistellung, die je nach Fonds zwischen 0 und 80 % liegt.
Wie sicher ist Immobilien-Crowdfunding?
Immobilien-Crowdfunding ist keine sichere Geldanlage. Seit 2023 sind zahlreiche Projekte ausgefallen oder in Verzug, etwa bei Bergfürst, EstateGuru in Deutschland und Exporo, gegen die ein Musterverfahren läuft. Nachrangdarlehen bieten im Insolvenzfall kaum Schutz, und auch Grundschulden garantieren keine volle Rückzahlung, weil Zwangsversteigerungen Jahre dauern und unter Wert enden können. Eine Einlagensicherung gibt es nicht. Streuen Sie über viele kleine Beträge und halten Sie den Anteil am Gesamtvermögen niedrig.
Was ist Reental und wie funktionieren tokenisierte Immobilien?
Reental ist eine spanische Plattform, die Immobilienprojekte in Spanien, den USA und weiteren Ländern tokenisiert. Anleger kaufen Token, die laut Anbieter in Spanien ein Beteiligungsdarlehen und in den USA Anteile an einer Objektgesellschaft abbilden. Erträge werden in der Stablecoin USDT ausgezahlt. Sie werden dadurch nicht Eigentümer im Grundbuch. Risiken sind Projekt- und Emittentenausfall, begrenzte Liquidität auf dem plattformeigenen Zweitmarkt sowie Dollar- und Stablecoin-Risiken.
Wie viel Geld brauche ich für ein Immobilien Investment?
Das hängt von der Variante ab. Immobilien-ETFs und offene Immobilienfonds lassen sich per Sparplan ab etwa 1 bis 50 € besparen, REITs ab dem Preis einer Aktie. Crowdfunding-Plattformen starten meist bei 50 bis 500 € pro Projekt, tokenisierte Immobilien teils ab 100 €. Für eine vermietete Wohnung sollten Sie mindestens die Kaufnebenkosten von bis zu 12 % und idealerweise 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital mitbringen.
Wie werden Mieteinnahmen und Immobilienerträge versteuert?
Mieteinnahmen aus einer eigenen Wohnung werden nach Abzug der Werbungskosten mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Erträge aus Immobilienfonds, REITs, ETFs und Crowdlending sind Kapitalerträge mit 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Offene Immobilienfonds profitieren von 60 bzw. 80 % Teilfreistellung. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € pro Person. Zinsen ausländischer Plattformen tragen Sie selbst in der Anlage KAP ein.